Lieb, wen Du willst – Über Homophobie im Sport

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Normal
Das mit der Normalität ist so eine Sache. Was genau normal ist, weiß niemand so genau zu sagen, aber es steht fest, man möchte lieber normal sein. Denn die Masse ist „normal“ – und wer der Normalität nicht entspricht, wird ausgegrenzt. Je stärker man sich von der Norm unterscheidet, desto stärker auch die Reaktion. Die Gesellschaft versucht eine*n wieder in die Norm zurückzuführen: mit Worten, mit Blicken (denn »anormal« sieht man), mit pädagogischen Programmen, Psychiatrie oder Gefängnis. Und auch selbst arbeitet man daran, möglichst normal zu sein und in Ruhe gelassen zu werden. Es sei denn, man rebelliert gegen die Norm, will sie verändern oder erweitern. Das hat meist seinen Preis: Ausschluss, Einsamkeit, Gewalt. Die Norm produziert also Ausschluss: die normale Mehrheit auf der einen, die anormale Minderheit auf der anderen.
 
Homosexuell sein
In unserer Gesellschaft ist es normal, heterosexuell zu sein. Das heißt: ein Mann liebt eine Frau und eine Frau liebt einen Mann. Wer das nicht genauso tut, muss sich erklären: Warum liebst Du jemanden des gleichen Geschlechts? War das schon immer so? Bist Du der Mann oder die Frau in Eurer Beziehung? Wann hast Du entschieden, homosexuell zu sein? Fragen, Fragen und noch mehr Fragen.
Und nicht nur das, sondern auch Unverständnis: Hab Dich nicht so. Das ist doch nur eine Phase. Was ist in Deiner Erziehung schiefgelaufen? Warum ausgerechnet Du?
Heterosexuelle kriegen diese Fragen nicht gestellt. Nie. Sie müssen kein »coming out« haben. Das heißt, sie müssen nicht jahrelang (oft auch ein ganzes Leben) mit sich hadern und die eigene Identität prüfen, um dann aller Welt zu erklären, wen sie lieben.
Wer homosexuell ist, hat nicht die gleichen Rechte. Kinder adoptieren ist schwer, heiraten verboten. Selbst bei der Berufswahl spielt die Sexualität eine Rolle. Zum Beispiel im Sport.
Sport
Der Leistungssport ist eine Männerdomäne. Das normale Bild von Männlichkeit ist nicht homosexuell. Daher ist auch hier das «coming out» eine Normüberschreitung, die nicht gern gesehen wird. Von Homosexuellen wird aber erwartet, dass sie sich outen. Das ist ein Problem, denn wenn sich ein*e Profisportler*in outet, dann ist alles, was ihn/sie ausmacht egal und in der öffentlich Wahrnehmung wird nur noch über die Sexualität der Person debattiert. Dass viele Menschen das nicht wollen, ist mehr als verständlich (zumal es sich meistens auch negativ auf die eigene Karriere auswirkt). Die Realität homosexueller Sportler*innen ist also die Gradwanderung zwischen Selbstleugnung und einem alles verändernden Outing. Es gibt auch keine Orte der Unterstützung, an die sie sich wenden können. Sportverein und große Sportorganisationen halten sich lieber schweigend zurück.
Die Fans sind übrigens meist das geringste Problem. Natürlich haben auch einige von ihnen homophobe, das heißt, homosexuellenfeindliche Ansichten, aber die meisten sind doch eher an der sportlichen Leistung, als an der Sexualität ihres/ihrer Lieblingssportler*in interessiert.
Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben?
Uns nervt das! Wir wollen nicht, dass über Menschen gerichtet wird, weil sie lieben, wen sie lieben. Das geht niemanden etwas an! Und schon gar nicht, welchem Geschlecht sich jemand zuordnet. Wir lehnen ab, Menschen über ihre Sexualität zu definieren.
Bürgerliche Norm? Nein, danke. Wenn etwas jemanden ausschließt und das Leben zur Hölle macht, gehört es abgeschafft.  Wenn schon normal, dann sind wir es alle, egal, wen wir lieben oder was wir machen. Und wenn schon bürgerliche Ehe, dann für alle!
Und im Sport? Genauso! Wir wollen nicht, dass die Sexualität von Sportler*innen öffentlich verhandelt wird! Aber wir wollen auch nicht, dass Menschen unsichtbar gemacht werden, wenn sie zur ihrer Sexualität stehen. Solange Homosexualität als Ausnahmephänomen im Sport verhandelt wird, muss es Stellen geben, die homosexuelle Sportler*innen unterstützen. Niemand soll sich verstellen müssen – nicht im nicht im Sport und sonst wo! Pro homo!