NEWSLETTER: Dezember/Januar 2013/2014

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Liebe Genoss*innen!
Euer LSpR wünscht Euch ganz wunderbare freie Tage: auf dass Ihr Euch ganz fein entspannen könnt oder wild feiert – so wie Ihr es gerne habt! Unsere Kritik an diesem Fest und vor allem der Art und Weise des Schenkens fasst Theodor Adorno ganz wunderbar zusammen und so möchten wir Euch folgende Gedanken schenken:

Umtausch nicht gestattet.
Die Menschen verlernen das Schenken. Der Verletzung des Tauschprinzips haftet etwas Widersinniges und Unglaubwürdiges an; da und dort mustern selbst Kinder misstrauisch den Geber, als wäre das Geschenk nur ein Trick, um ihnen Bürsten oder Seife zu verkaufen. Dafür übt man charity, verwaltete Wohltätigkeit, die sichtbare Wundstellen der Gesellschaft planmäßig zuklebt. In ihrem organisierten Betrieb hat die menschliche Regung schon keinen Raum mehr, ja die Spende ist mit Demütigung durch Einteilen, gerechtes Abwägen, kurz durch die Behandlung des Beschenkten als Objekt notwendig verbunden. Noch das private Schenken ist auf eine soziale Funktion heruntergekommen, die man mit widerwilliger Vernunft, unter sorgfältiger Innehaltung des ausgesetzten Budgets, skeptischer Abschätzung des anderen und mit möglichst geringer Anstrengung ausführt. Wirkliches Schenken hatte sein Glück in der Imagination des Glücks des Beschenkten. Es heißt wählen, Zeit aufwenden, aus seinem Weg gehen, den anderen als Subjekt denken: das Gegenteil von Vergesslichkeit. Eben dazu ist kaum einer mehr fähig. Günstigenfalls schenken sie, was sie sich selber wünschten, nur ein paar Nuancen schlechter. Der Verfall des Schenkens spiegelt sich in der peinlichen Erfindung der Geschenkartikel, die bereits darauf angelegt sind, dass man nicht weiß, was man schenken soll, weil man es eigentlich gar nicht will. Diese Waren sind beziehungslos wie ihre Käufer. Sie waren Ladenhüter schon am ersten Tag. Ähnlich der Vorbehalt des Umtauschs, der dem Beschenkten bedeutet: hier hast du deinen Kram, fang damit an, was du willst, wenn dir‘s nicht passt, ist es mir einerlei, nimm dir etwas anderes dafür. Dabei stellt gegenüber der Verlegenheit der üblichen Geschenke ihre reine Fungibilität auch noch das Menschlichere dar, weil sie dem Beschenkten

wenigstens erlaubt, sich selber etwas zu schenken, worin freilich zugleich der absolute Widerspruch zum Schenken gelegen ist. Gegenüber der größeren Fülle von Gütern, die selbst dem Armen erreichbar sind, könnte der Verfall des Schenkens gleichgültig, die
Betrachtung darüber sentimental scheinen. Selbst wenn es jedoch im Überfluss überflüssig wäre – und das ist Lüge, privat so gut wie gesellschaftlich, denn es gibt keinen heute, für den Phantasie nicht genau das finden könnte, was ihn durch und durch beglückt -, so bleiben des Schenkens jene bedürftig, die nicht mehr schenken. Ihnen verkümmern jene unersetzlichen Fähigkeiten, die nicht in der Isolierzelle der reinen Innerlichkeit, sondern nur in Fühlung mit der Wärme der Dinge gedeihen können. Kälte ergreift alles, was sie tun, das freundliche Wort, das unausgesprochen, die Rücksicht, die ungeübt bleibt. Solche Kälte schlägt endlich zurück auf jene, von denen sie ausgeht. Alle nicht entstellte Beziehung, ja vielleicht das Versöhnende am organischen Leben selber, ist ein Schenken. Wer dazu durch die Logik der Konsequenz unfähig wird, macht sich zum Ding und erfriert.“
Theodor W. Adorno aus: Minima Moralia
Start ins neue Jahr
Liebe Genoss_innen, das Jahr 2013 neigt sich seinem Ende zu. Statt aber einen gemeinsamen Jahresabschluss zu zelebrieren, wollen wir lieber
gemeinsam in ein neues Jahr 2014 starten, zusammen neue Ideen entwickeln und uns natürlich auch gemeinsam auf die Themen des neuen Jahres einstimmen. Dafür läd die Linksjugend [’solid] Berlin am 6.1. zu einem Berlinplenum und gleichzeitigen Neujahresempfang ein. Details und eine Einladung folgen bald.

Rosa&Karl 2014
Am 12. Januar startet erneut die Rosa&Karl-Demonstration. Dieses Jahr bestehen die Themenschwerpunkte in der kritischen Auseinandersetzung mit dem Umgang mit linker Geschichte und der Beleuchtung des Verhältnisses der Linken zum Staat. Der Kurzaufruf ist bereits veröffentlicht und der gesamte Aufruf, wird in den nächsten Tagen auf der Webseite veröffentlicht (http://rosaundkarl.blogsport.de/aufruf/)
Auch das Programm der Veranstaltungswoche vom 4. – 11. Januar ist online. (http://rosaundkarl.blogsport.de/veranstaltungswoche/)
Wir beteiligen uns mit zwei Veranstaltungen daran:
Am Sonntag, den 05. Januar 2014 ab 11:00 Uhr startet das Tagesseminar zum Thema „Materialistische Staatskritik“ in Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk für Politik und Kultur. Am Freitag, den 10. Januar 2014 ab 19:00 Uhr richten wir einen Vortrag mit Diskussion mit einer kritischen Perspektive auf Lenin aus.

Winterakademie 2014
Auch im kommenden Jahr wird es wieder eine Winterakademie der Linksjugend [’solid] geben. Vom 17. bis 19.1. werden Genoss_innen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Bielefeld kommen, um gemeinsam an verschiedenen Workshops zu arbeiten und sich untereinander auszutauschen.
Näheres steht im Internet unter

Winterakademie 2014




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